Doktor Faust

Über das Spiel

Inszenierung

Für eine Marionettenbühne ist es aus dramaturgischen Gründen unmöglich, Goethes Faust wertgerecht zu übernehmen. Versuche, die Dichtung durch Auszüge oder Kürzungen für die Puppenbühne anzupassen, wären nicht nur ein kaum zu bewältigendes Experiment, sondern auch eine Pietätlosigkeit gegenüber der großen Dichtung. Es musste versucht werden, für die Marionetten eine kurzgefasste Neugestaltung zu erlangen. Die Textbearbeitung erfolge 1980 von Toni Gruber, der schon in der Vergangenheit für die Tölzer Marionetten als Autor tätig war. So wurde stilistisch die Sprache des freien Knittelverses gewählt. Das hatte ausschließlich ökonomische und akzentuierende Gründe und sollte keineswegs eine Nachäffung des Goethe-Stils sein.

Die hier verwendete Tonaufnahme ist ebenfalls von 1980 und mit dem damaligen Sprecherensemble des Tölzer Marionettentheaters ein unwiederbringliches Tondokument. Oskar Paul, der Figuren und Bühnenbild in unverkennbarer Weise entworfen und gebaut hat, ist in dieser Aufnahme als Saturnbewohner zu hören. Im Zuge der Digitalisierung und Restaurierung des originalen Magnetbandes wurden kleine Details optimiert und ein neues Lied für Gretchen ausgewählt.

Bühnengeschichte

Wer heute vom „Faust“ spricht, meint damit in der Regel die Goethische Faust-Dichtung. Und das ist kein Zufall. Andere dichterischen Versuche den historischen Faust-Stoff zu gestalten, blieben gemessen am Werk Goethes unzulänglich.

Dass Dr. Faust nicht nur eine legendäre Figur ist, sondern tatsächlich existierte, ist zweifelsfrei. Als sicherer urkundlicher Beweis dafür gilt vor allem ein Eintrag in einer bischöflichen Bambergischen Kammer-Rechnung aus dem Jahr 1520, wonach „Doctor Faustus“ xxxx Gulden als Honorar für die Anfertigung eines Horoskops auf bischöflichen Befehl erhalten hat.

Er studierte laut Deutschem Volksbuch zunächst Theologie, dann Medizin und Philosophie und beschäftigte sich nebenher mit Chiromantie und Astrologie. Auch mit Geisterbeschwörungen soll er sich befasst haben, wodurch er laut Legende durch einen Pakt mit dem Teufel zu großem Wohlstand und geheimen Zauberkräften gekommen sein soll.

Daten

Frei nach Johann Wolfgang von Goethe
Autor: Toni Gruber
Schauspiel in 8 Bilder
Spieldauer
: 120 Minuten inkl. Pause

 

 

Produktionsteam

Figuren: Oskar Paul
Kostümschneiderei:
Eva Richter
Bühnenbild: Oskar Paul
Restaurierung: Bernhard Leismüller
Digitalisierung: Joachim Schmid
Regie 1980: Alwin Emmert
Regie 2024: Bernhard Leismüller

Kontakt

Lindauer Marionettenoper im Stadttheater          
Fischergasse 37
88131 LINDAU

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E-Mail: info[at]marionettenoper.de